HANDLUNGSFELDER «ASCN – ACADEMIC SWISS CAUCASUS NET» & «SSCN – SWISS SOUTH CAUCASUS NET»

Förderung von Wissenschafts-, Bildungs- und Entwicklungsprojekten im Südkaukasus – seit 2009


Die Gebert Rüf Stiftung finanziert seit 2009 mit dem Academic Swiss Caucasus Net (ASCN) ein mehrjähriges Programm zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften im Südkaukaus mit dem Ziel, einen Beitrag zur Demokratieentwicklung zu leisten. Personenförderung steht im Mittelpunkt des Programms. Junge Forscher aus den obenerwähnten Bereichen werden unter anderem durch Forschungsprojekte mit europäischen Standards unterstützt und begleitet. Das Programm steht gegenwärtig in seiner Abschlussphase.

Seit Januar 2017 steht ein neues Osteuropaengagement im Aufbau, das Programm «Swiss South Caucasus Net» (SSCN). Dieses initiiert, begleitet und verankert Bildungs- und Entwicklungsprojekte im Südkaukasus.



Programm ASCN


Die osteuropäischen Länder ausserhalb der EU, d. h. die Ukraine, Weissrussland, Moldawien, Georgien und Armenien, stellen heute wichtige Bindeglieder zwischen Europa und Russland dar. Ihr Demokratiefaktor ist unterschiedlich, ihre gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung unberechenbar und instabil. Osteuropa, insbesondere der Südkaukasus, ist eine Scharnierregion zwischen Europa und Zentralasien sowie zwischen christlichen und türkisch-islamischen Gesellschaften. Hier ist das Wirkungspotential von Kooperationen gross.

Die Schweiz als demokratische Wissensgesellschaft hat viel zu bieten, um in diesen Ländern sog. «Capacity Building» zu leisten. Schweizer Spezialitäten mit akademischer Rückbindung in den Sozial-/ Geisteswissenschaften wie Föderalismus, Umgang mit Minoritäten, Verwaltungswissenschaft, Völkerrecht, Politik-, Bildungs-, Geschichtswissenschaften etc. haben in den zwischen Autokratie und Demokratie stehenden Transformationsgesellschaften eine besondere Bedeutung und Wirkung.

Das ASCN-Programm geht davon aus, dass Geistes- und Sozialwissenschaften transformationsrelevant sind, dass sie durch ihre Fokussierung auf gesellschaftliche Problemlagen einen wichtigen Beitrag zum Selbstverständnis und damit auch zur Transformation einer nationalen Gesellschaft beitragen.

Programmziele ASCN


Das ASCN-Programm ist prioritär auf die Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in den drei Ländern des südlichen Kaukasus ausgerichtet: in erster Linie Georgien, dann Armenien und Aserbaidschan. Das Programm will mit wissenschaftlicher Reflexion über relevante Themen einen Beitrag zu einem komplexen und schwierigen Transformationsprozess in diesen Ländern leisten. Darüber hinaus trägt das Programm auf dem Weg der Förderung von Forschungspartnerschaften zur Europäisierung und Regionalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften im südlichen Kaukasus bei. Das Programm verfolgt dieses Hauptziel auf mehreren Ebenen bzw. mit mehreren Ansätzen.
  1. Es fördert gute Forschungsprojekte zu transformationsrelevanten Themen im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften;
  2. fördert qualifizierte Nachwuchsforscher;
  3. leistet einen Beitrag zum «Capacity Building», indem lokale Wissenscluster bzw. Exzellenzzentren gefördert werden sollen, die Attraktionspole für Forschung bilden und als Multiplikatoren von Wissen im Lande selbst oder in der Region zu wirken vermögen;
  4. trägt zur regionalen und internationalen Vernetzung der zu unterstützenden Forscher bzw. ihrer Institutionen bei.

Der Beitrag zur Europäisierung der Human- und Sozialwissenschaften zeigt sich somit auf mehreren Zielebenen: Die Forschung soll auf europäische Standards gehoben werden; die Forschenden selbst sollen in ihrer Vernetzung mit europäischen Institutionen unterstützt werden; schliesslich soll in thematischer Hinsicht das Potential der Human- und Sozialwissenschaften verstärkt werden, den politisch-ökonomischen, sozialen und kulturellen Wandel der Gesellschaften, in dem sie operieren, kritisch zu analysieren und zu begleiten.

Programm SSCN


Mit dem ASCN wurde im Südkaukasus ausschliesslich die akademische Nachwuchsförderung in den Sozial- und Geisteswissenschaften verfolgt. Einen radikal anderen Weg geht das auf intensiven Bedarfs- und Nutzenabklärungen basierende neue Programm, das in der Initialphase steht: Das SSCN will einen thematisch breiten sowie an der Basisausbildung und den Grundlagenbedürfnissen – nicht primär an Forschung und Wissenschaft – orientierten Förderbeitrag zur Entwicklung der Region leisten. Einerseits werden mit bildungsbezogenen Entwicklungsprojekten Schlüsselbereiche wie die Landwirtschaft oder der Tourismus gefördert, andererseits auch Projekte in Risikogebieten unterstützt.

Sämtliche Projekte sind darauf angelegt, Potentiale zu entwickeln und diese in die Selbständigkeit zu führen. Die Förderung hat damit nicht den Charakter von Subventionen, soll also zu keinen Abhängigkeiten führen.

Das Programm ist operativ von der Gebert Rüf Stiftung ausgelagert und wird als Fonds (unselbständige Stiftung) der Schweizer Dachstiftung «Fondation des Fondateurs» betrieben, analog zu «venture kick». Die Stiftung, welche offen für Drittmittel ist, «bezweckt die Förderung von Transitionsprozessen im Südkaukasus durch Initiierung, Begleitung und Umsetzung von Bildungs- und Entwicklungsprojekten mit praktischem Anwendungsnutzen.»

Ausgewählte Projekte: Machbarkeitskonzept Landwirtschaftsschule; Swiss Agricultural School Caucasus (SASC)

Fondation des Fondateurs: Swiss South Caucasus Foundation – SSCF

Kontakt


Das «Interfakultäre Institut für Ost- und Ostmitteleuropa» (IOOE) der Universität Fribourg/Freiburg leitete und koordinierte das ASCN bis Ende 2016. Seit 2017 ist Philipp Egger als neuer Osteuropabeauftragter der Gebert Rüf Stiftung in allen Belangen für beide Programme des Osteuropaengagements verantwortlich: