HANDLUNGSFELD «ASCN – ACADEMIC SWISS CAUCASUS NET»

Förderung der Sozial-/Geisteswissenschaften im Südkaukasus – seit 2009


Die Gebert Rüf Stiftung finanziert ab 2009 mit dem Academic Swiss Caucasus Net (ASCN) ein mehrjähriges Programm zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften im Südkaukaus, mit dem Ziel einen wichtigen Beitrag zur Demokratieentwicklung zu leisten. Personenförderung steht im Mittelpunkt des Programms. Junge Forscher aus den obenerwähnten Bereichen werden unter anderem durch Forschungsprojekte mit europäischen Standards unterstützt und begleitet.


Projekt


Die osteuropäischen Länder ausserhalb der EU, d. h. die Ukraine, Weissrussland, Moldawien, Georgien und Armenien, stellen heute wichtige und schwierige Bindeglieder zwischen Europa und Russland dar. Ihr Demokratiefaktor ist unterschiedlich, ihre gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung unberechenbar und instabil. Osteuropa, insbesondere der Südkaukasus, ist eine Scharnierregion zwischen Europa und Zentralasien sowie zwischen christlichen und türkisch-islamischen Gesellschaften. Hier ist das Wirkungspotential von Kooperationen gross.

Die Schweiz als demokratische Wissensgesellschaft hat viel zu bieten, um in diesen Ländern sog. «Capacity Building» zu leisten. Schweizer Spezialitäten mit akademischer Rückbindung in den Sozial-/ Geisteswissenschaften wie Föderalismus, Umgang mit Minoritäten, Verwaltungswissenschaft, Völkerrecht, Politik-, Bildungs-, Geschichtswissenschaften etc. haben in den zwischen Autokratie und Demokratie stehenden Transformationsgesellschaften eine besondere Bedeutung und Wirkung.

Das ASCN Programm geht davon aus, dass Geistes- und Sozialwissenschaften transformationsrelevant sind, dass sie durch ihre Fokussierung auf gesellschaftliche Problemlagen einen wichtigen Beitrag zum Selbstverständnis und damit auch zur Transformation einer nationalen Gesellschaft beitragen.

Projektziele


Das ASCN Programm ist prioritär auf die Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in den drei Ländern des südlichen Kaukasus ausgerichtet: in erster Linie Georgien, dann Armenien und Aserbaidschan. Das Programm will mit wissenschaftlicher Reflexion über relevante Themen einen Beitrag zu einem komplexen und schwierigen Transformationsprozess in diesen Ländern leisten. Darüber hinaus trägt das Programm auf dem Weg der Förderung von Forschungspartnerschaften zur Europäisierung und Regionalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften im südlichen Kaukasus bei. Das Programm verfolgt dieses Hauptziel auf mehreren Ebenen bzw. mit mehreren Ansätzen.

  1. Es fördert gute Forschungsprojekte zu transformationsrelevanten Themen im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften;
  2. fördert qualifizierte Nachwuchsforscher;
  3. leistet einen Beitrag zum «Capacity Building», indem lokale Wissenscluster bzw. Exzellenzzentren gefördert werden sollen, die Attraktionspole für Forschung bilden und als Multiplikatoren von Wissen im Lande selbst oder in der Region zu wirken vermögen;
  4. trägt zur regionalen und internationalen Vernetzung der zu unterstützenden Forscher bzw. ihrer Institutionen bei.

Der Beitrag zur Europäisierung der Human- und Sozialwissenschaften zeigt sich somit auf mehreren Zielebenen: Die Forschung soll auf europäische Standards gehoben werden; die Forschenden selbst sollen in ihrer Vernetzung mit europäischen Institutionen unterstützt werden; schliesslich soll in thematischer Hinsicht das Potential der Human- und Sozialwissenschaften verstärkt werden, den politisch-ökonomischen, sozialen und kulturellen Wandel der Gesellschaften, in dem sie operieren, kritisch zu analysieren und zu begleiten.

Programmverwaltung


Das Interfakultäre Institut für Ost- und Ostmitteleuropa (IOOE) der Universität Fribourg/Freiburg übernimmt als «Leading House» Leitung und Koordination des Programms. Fribourg/Freiburg kann bezüglich Osteuropaforschung/-kontakten auf eine lange Tradition zurückschauen. Diese Hochschule hat sich bereits im Rahmen des Swiss Baltic Net als zuverlässige Partneruniversität der GRS ausgezeichnet. Als zweisprachige Universität auf der Sprachgrenze zwischen französischer und deutscher Schweiz ist die Universität Fribourg/Freiburg selber in einem Kontext tätig, der durch wesentliche Faktoren geprägt ist, die auch den Alltag von Ländern und Institutionen in Osteuropa prägt: Sprachprobleme, Minderheiten, Minderheitenschutz, usw.

In diesem Sinn übernimmt die Universität eine vermittelnde Funktion in einer multikulturellen Gesellschaft und ist damit auch sensibilisiert für die Probleme des Zusammenlebens gerade auch in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften. Im Südkaukasus könnten solche «helvetischen Erfahrungen» im Umgang mit Minderheiten auf vielfältige Weise eingebracht werden, so z. B. mit Konferenzen und Kolloquien sowie Doktorandenschulen zu Themen wie Konfliktmanagement, Konflikt und Demokratie, Minderheiten und multikulturelle Gesellschaft usw.

Kontakt